• Merve Coskun

Wie schnell darf Dein Start-up wachsen?

Wachstumsstarke Unternehmen tragen maßgeblich zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei, weshalb das Interesse an schnell wachsenden Unternehmen insbesondere für Tech-Start-ups in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Allerdings können diese Unternehmen ihrer rasanten Entwicklung nicht immer gerecht werden und sind dadurch einem großen Druck ausgesetzt. Auch zeichnen sich schnell wachsende Unternehmen in der Regel durch eine hohe Unbeständigkeit ihrer Wachstumsraten aus. So stellt sich die Frage: Ist es für Dein junges Unternehmen besser gleichmäßig zu wachsen oder sollte es in jeder Periode so schnell wie möglich boomen?


Laut den Forschern Coad et al. (2021) zahlt es sich manchmal aus, so schnell wie möglich zu wachsen, weil Du als Erstanbieter im Markt, einen nachhaltigen Kostenvorteil und Markteintrittsbarrieren gegenüber anderen Unternehmen schaffen kannst. Die sogenannten "First-Mover-Vorteile" entstehen auch, wenn Unternehmen mit einer innovativen Technologie ihre Ideen durch Patente schützen (oder als Geschäftsgeheimnis bewahren) können. Somit kannst Du als Unternehmen, das als Erstes auf den Markt kommt, häufig Vorteile genießen.


Jedoch erschwert die Instabilität des Wachstums die Vorausplanung eines Unternehmens. Es besteht möglicherweise keine klare Vorstellung von der Nachfrage, dem Bedarf an Mitarbeiter*innen oder den Produktionskapazitäten, was zu kostspieligen Fehlern bei der Anpassung der zukünftigen Kapazitäten führen kann. Des Weiteren erhöhen Schwankungen im Wachstumspfad den psychologischen Stress von Unternehmer*innen und Beschäftigen. Während sie möglicherweise zeitweise überlastet sind, haben sie zu anderen Zeiten nichts zu tun. Dies kann zu Frustration, sinkender Arbeitszufriedenheit und möglicherweise zu Einbrüchen bei der Arbeitsqualität und geringerem Engagement für das Unternehmen führen.

Außerdem trägt die Unbeständigkeit zu Unsicherheiten bei der Finanzplanung und könnte wichtige Partner*innen und Kapitalgeber*innen abschrecken. Bekanntlich muss ein höheres Unternehmensrisiko mit höheren Renditen für Investor*innen ausgeglichen werden. Das Unternehmen kann daher in den Augen von Banken, externen Investor*innen, (potenziellen) Mitarbeiter*innen, strategischen Partner*innen und anderen Stakeholder*innen an Attraktivität einbüßen.

Auch wenn Höhen und Tiefen im Wachstum eines Unternehmens unvermeidlich sind, ist es für Unternehmen wichtig, das Wachstum kontrollierbar und stabil zu halten, um die negativen Nachwirkungen eines zu schnellen Wachstums zu unterbinden.



NRW’s Start-up-Szene hat für aufstrebende Gründer*innen großes Potenzial. Jedoch ist bei der Entwicklung von größeren Tech-Start-ups – im Skalierungsprozess – weitere Unterstützung notwendig. Unternehmen, die sich in einer Phase des starken Wachstums und Wandels befinden, haben viele Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen. Die internationale Skalierung ihres Geschäftsmodells, die Erweiterung des Management-Teams sowie erheblich steigender Finanzbedarf sind nur einige von vielen Schwierigkeiten.

Das “Scale-up-Programm” vom Land NRW Nordrhein-Westfalen hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Skalierung und Internationalisierung von Top Start-ups in NRW aufzubauen. Daher wird aktuell fleißig nach einem Auftragnehmer*in gesucht, der/die ein solches Programm auf die Beine stellen kann. Wenn Du Dich mit Deinem Unternehmen aktuell in der Wachstumsphase befindest oder kurz davor bist und Hilfe dabei benötigst, Dein Start-up auf das nächste Level zu bringen, solltest Du dieses Förderprogramm unbedingt im Auge behalten! Im ersten Quartal 2022 soll das Skalierungsprogramm mit zunächst zehn bis 20 teilnehmenden Start-ups starten.

Im Artikel “Amundsen vs. Scott: are growth paths related to firm performance” von Coad et al. (2021) kannst Du alle Ergebnisse der Studie im Journal “Small Business Economics” über die EZB der Uni kostenlos* nachlesen.

*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H