• Julia Esdar

Wie Humankapital und Coachability Deine Innovationsfähigkeit als Gründer*in beeinflussen

Hast Du dich schon einmal gefragt, welchen Einfluss Deine bisherigen Erfahrungen und Kenntnisse auf Deine Fähigkeit haben, Marktlücken zu erkennen und neue Produkte zu entwickeln?

Dass ein direkter Zusammenhang zwischen Vorkenntnissen, dem Bildungsgrad und (Berufs-)Erfahrung - zusammengefasst unserem Humankapital - und unserer wirtschaftlichen Performance besteht, ist nichts Neues. Doch wie genau sieht dieser Zusammenhang aus und welche Rolle spielt dabei unsere Coachability, also die Bereitschaft, Feedback anzunehmen und daraus zu lernen?


Dieser Thematik haben sich Marvel, Wolfe und Kuratko (2020) gewidmet und herausgestellt, wie Humankapital und die Coachability von Gründer*innen ihre Innovationsfähigkeit und somit den Erfolg von Projekten beeinflussen.


Im Allgemeinen wird oft davon ausgegangen, dass mehr Humankapital immer von Vorteil für den Erfolg von Projekten ist.

Einigen Wissenschaftler*innen zufolge hat jedoch besonders spezifisches Humankapital, also individuelle Erfahrungen und spezifisches Wissen aus bestimmten Bereichen, auch eine dunkle Seite. Dies kann uns nämlich dabei einschränken, Chancen auf dem Markt zu identifizieren und somit unsere Innovationsfähigkeit schwächen.

Einerseits ist spezifisches Wissen, z.B. über eine Branche, zwar notwendig um als Entrepreneur zu erkennen, ob eine Innovation sinnvoll ist. Dieses Vorwissen lässt uns aber nur gewisse Innovationsmöglichkeiten erkennen, während wir andere Chancen komplett übersehen - es ist, als würden wir Scheuklappen tragen.


Dieses “Scheuklappen tragen” wird auch als knowledge corridor bezeichnet, der je nach Breite der eigenen Kenntnisse schmaler oder breiter ist. Je höher also unser spezifisches Humankapital, desto ‘enger’ wird der knowledge corridor, in dem wir uns befinden und desto mehr Innovationsmöglichkeiten entgehen uns. Die Forscher*innen stellen daher die These auf, dass allgemeines Humankapital von Gründer*innen einen positiven Einfluss auf ihre Innovationsfähigkeit hat, während spezifisches Humankapital die Innovationsfähigkeit von Gründer*innen eher negativ beeinflusst.


Um diesen positiven Einfluss zu verstärken bzw. den negativen zu schwächen, sehen die Forscher*innen die Coachability von Gründer*innen als essentiell für deren Innovationsfähigkeit an.


Wenn Du als Gründer*in bereit sind, Deine fachlich möglicherweise begrenzten Vorkenntnisse zu erweitern und somit über Deinen persönlichen Wissens-Tellerrand zu schauen, verbessert sich auch Deine Fähigkeit, Chancen zu erkennen und neue Produkte zu entwickeln.

Es lohnt sich also, Deine bewusst oder unbewusst getragenen Scheuklappen abzusetzen und den Blick nach links und rechts zu richten - dabei hilft Dir insbesondere Feedback von außen.


Mehr über die Studie und ihre Ergebnisse erfährst Du im Artikel “Escaping the knowledge corridor: How founder human capital and founder coachability impacts product innovation in new ventures”. Über die EZB der Uni kannst Du den Artikel kostenlos* abrufen.


*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H