• Julia Esdar

Wie die Geschichte einer Region ihre Gründerszene beeinflusst

Eine florierende lokale Gründerszene stärkt die lokale und regionale Wirtschaft: Beschäftigungsquoten verbessern sich, die Produktivität wird erhöht, mehr Vermögen gelangt in die Region und die wirtschaftliche Entwicklung wird vorangetrieben. Die Zahl der Unternehmensgründungen sowie das Vorhandensein ausgeprägter Gründerszenen variiert jedoch stark von Region zu Region - dabei weisen reichere Regionen in der Regel mehr Unternehmensgründungen auf als finanziell schwächere. Um die regionale Wirtschaftsentwicklung zu stärken, unterstreichen viele Studien die Bedeutung lokalen Entrepreneurships und betonen, wie wichtig es ist, lokale und regionale Gründerszenen zu unterstützen und fördern.


Neben wirtschaftlichen Faktoren wird die Gründerszene einer Region laut De Monte und Pennacchio auch maßgeblich ihrer Vergangenheit beeinflusst. In ihrer Studie zu historischen Wurzeln von Entrepreneurship und der Rolle von Wissen und Kreativität (2019) haben die zwei Wissenschaftler gezeigt, dass die Geschichte einer Region eine wichtige Rolle dabei spielt, die heutige dortige Gründerszene zu formen. Die Studie von De Monte und Pennacchio basiert auf Daten aus italienischen Provinzen.


Die Entwicklung einer regionalen Gründerkultur bedarf den Wissenschaftlern zufolge nicht nur begünstigende wirtschaftliche Bedingungen, sondern wird auch durch Werte wie Kreativität und eine breite Wissensbasis in der Gesellschaft gefördert. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die Bedeutung des sozialen und kulturellen Umfelds als Basis für erfolgreiche unternehmerische Aktivitäten. Anhand der Resultate der Wissenschaftler wird deutlich, dass die historische Wissensbasis in einer Region, gemessen am Vorhandensein öffentlicher Universitäten (mit einer weit zurückreichenden Geschichte), sowie sogenannte historische Kreativität - hiermit meinen De Monte und Pennacchio die Zahl von lokalen Wissenschaftler*innen und Erfinder*innen in der Geschichte - positiv mit der Zahl innovativer Start-ups in Verbindung gebracht werden kann.


Die Studie zeigt einen positiven Zusammenhang zwischen historisch etablierten Universitäten und aktuellen Unternehmensgründungen. Dabei spielt die geografische Lage eine wichtige Rolle: Je weiter weg sich eine Region (in diesem Falle eine italienische Provinz) von einer Universität befindet, desto weniger Start-ups zählten die Wissenschaftler in dieser Region. Mit wachsender Nähe zu einer Universität stieg in der Beobachtung auch die Zahl von neugegründeten Unternehmen.

Provinzen, deren Wissensbasis und historische Kreativität am stärksten ausgeprägt ist, zeigten in der Studie die meiste unternehmerische Aktivität auf. De Monte und Pennacchio liefern mit ihrer Studie empirische Belege dafür, dass Unterschiede im regionalen Unternehmertum tatsächlich durch historische Faktoren geprägt sind und betonen die Bedeutung, die Geschichte einer Region bei der Entrepreneurship-Forschung mit einzubeziehen.


Alle Details und Ergebnisse der Studie findest Du im Artikel “Historical roots of regional entrepreneurship: the role of knowledge and creativity” über die EZB der Uni kostenlos* zum Nachlesen.


*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H