• Sabrina Basner

Wie Deine Persönlichkeit Deine Identität als Gründer*in beeinflusst

Wir schlüpfen täglich in verschiedene Rollen, die jeweils an unser Umfeld und unser Gegenüber angepasst sind. Alleine Zuhause bist Du vermutlich jemand anderes als im Büro oder umgeben von Deinen Freunden - die Unterschiede müssen dabei gar nicht groß sein oder bewusst stattfinden, existieren tun sie dennoch.

Auch als Gründer*in schlüpfst Du in eine bestimmte Rolle, die sich von Deinem privaten ‘Ich’ unterscheidet, zumindest in Teilen. Wie genau entsteht diese Gründeridentität und inwiefern spiegelt sich Dein privates ‘Ich’ darin wider?


Mit diesem Thema haben sich O’Neill, Ucbasaran und York (2020) im Rahmen einer qualitativen Studie beschäftigt. Dass die Persönlichkeit von Gründer*innen einen bedeutenden Einfluss auf deren Unternehmen hat, ist wissenschaftlich bestätigt. Der Prozess, in dem sich Gründeridentitäten herausbilden und (weiter-)entwickeln, ist jedoch erst wenig erforscht. Mit ihrer Studie wollen die Forscher*innen daher die Entwicklung von Gründeridentitäten näher beleuchten und die Bedeutung der persönlichen Identität von Gründer*innen für diese Entwicklung feststellen. Dazu haben O’Neill et. al Erstgründer*innen nachhaltiger Unternehmen und deren Stakeholder über drei Jahre hinweg begleitet.


Die Ergebnisse der Studie weichen von denen früherer Arbeiten ab und stellen einen anderen Entwicklungsprozess dar, als bisher angenommen. Bisher wurde in der Forschung davon ausgegangen, dass besonders Erstgründer*innen mit der Zeit versuchen, ihre persönliche Identität mit einer gewollten Gründeridentität in Einklang zu bringen - d.h. sie haben ein Bild davon im Kopf, wie sie als Gründer*in gerne sein wollen oder sein werden und arbeiten darauf hin. “Wer ich sein will” wird dabei von einer Reihe bekannter Rollen- oder sozialen Identitäten bestimmt, die im Unternehmertum für wünschenswert gehalten werden. Obwohl diese Herangehensweise für einige Gründer*innen zutreffen mag, haben die Forscher*innen auch einen anderen Weg beobachtet.


Die Studienteilnehmenden waren bei der Entwicklung ihrer Gründeridentität nicht durch den Wunsch motiviert, sich an bekannten Rollenbildern oder sozialen Identitäten zu orientieren. Vielmehr haben sie daran gearbeitet, ihr Gründer*innen-Dasein mit ihrer persönlichen Identität in Einklang zu bringen - d.h. ihren persönlichen Überzeugungen und Werten, die sie über alle Situationen hinweg vertreten, treu zu bleiben. Dies trifft insbesondere auf Sozialunternehmer*innen zu. Die persönliche Identität kann demnach als eine Art Wegweiser verstanden werden, der vielen Gründer*innen die Richtung ihrer persönlichen Entwicklung weist. Um sich authentischer zu fühlen, nehmen Erstgründer*innen eher Rollen an, die stark mit ihrer eigenen Persönlichkeit übereinstimmen. Auch fühlen Gründer*innen sich besonders in der Frühphase ihres Unternehmens Personen mit ähnlichen Werten und Vorstellungen verbunden. Die persönliche Identität ist also auch beim Knüpfen anfänglicher Geschäftsbeziehungen wegweisend.


Alle Informationen zur Studie und den Ergebnissen findest Du im Artikel “The evolution of founder identity as a authenticity work progress” über die EZB der Uni kostenlos* zum Nachlesen.


* für Studierende und Mitarbeitende der UW/H