• Sabrina Basner

Wie beeinflusst Armut Entrepreneurship und Innovation?

Sowohl in Industriestaaten als auch in Ländern des globalen Südens gilt Entrepreneurship als wirksames Mittel zur Bekämpfung von Armut. Auch aus diesem Grund gewinnt der Faktor Armut immer mehr an Bedeutung im Bereich der Entrepreneurship-Forschung. Er wird immer öfter mit einbezogen, um Entwicklungen in diesem Bereich zu beobachten und zu analysieren - auch in Hinblick auf das Thema Innovation.


Dem Zusammenwirken von Armut, Entrepreneurship und Innovation haben sich Nakara, Messeghem und Ramaroson (2019) gewidmet und versucht zu erforschen, , unter welchen Bedingungen als arm eingestufte Entrepreneure innovativ werden. Ihre Studie basiert auf Daten aus Frankreich; im Rahmen der Forschung wurden 3373 in Armut lebende Entrepreneure beobachtet. Bisherige Forschungen zum Thema beziehen sich insbesondere auf extreme Armut in Entwicklungsländern und ihren Einfluss auf unternehmerische Tätigkeiten - jedoch finden sich auch in entwickelten Ländern teils hohe Armutsraten: beispielsweise lag die Armutsrate im Betrachtungsland Frankreich 2016 bei 8,3 %.


Nakara et. al haben sich mit ihrer Studie zum Ziel gesetzt, ausschlaggebende Faktoren für Innovation seitens armer Entrepreneure besser zu verstehen. Dazu haben sie Faktoren, die Innovation begünstigen, in drei Rubriken eingeteilt und analysiert: persönliche Charakteristika (z.B. Humankapital, persönliche Motivation), organisatorische Gesichtspunkte (z.B. mobilisierte Ressourcen) und externe Faktoren (wie Konkurrenz oder Kooperationen). Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass besonders Humankapital, also Bildung und unternehmerische Erfahrung, sowie der Zugang zu finanziellen Ressourcen Innovation begünstigen. Auch ein weniger wettbewerbsintensives Umfeld und öffentliche finanzielle Unterstützung tragen dazu bei, dass arme Entrepreneure häufiger innovativ werden.


Darüber hinaus wirkt sich sogenannte Gelegenheitsmotivation positiv auf innovative Handlungen aus - im Gegensatz zur Bedürfnismotivation. Unter Gelegenheitsmotivation verstehen die Wissenschaftler*innen Motivation, die aus erkannten Chancen, z.B. zu gründen, entsteht, während bedürfnismotivierte Entrepreneure z.B. aus Gründen finanzieller Not unternehmerisch aktiv werden. Der Armut zu entkommen kann für viele Gründer*innen mit einem einkommensschwachen Hintergrund ein starker Beweggrund sein, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Den Wissenschaftler*innen zufolge reicht dieser Grund jedoch nicht aus - für ein erfolgreiches Überkommen von Armut braucht es weitere externe Faktoren, die sowohl Entrepreneurship als auch Innovation begünstigen und fördern.

Nakara et. al sehen die Ergebnisse ihrer Studie als Appell an die Politik. Sie legen die Notwendigkeit nahe, einen politischen Rahmen sowie Maßnahmen zu entwickeln, die armen Entrepreneuren dabei hilft, Herausforderungen bei der Gründung eines Unternehmens zu überwinden und die darüber hinaus Anreize für Innovationen bietet, um einen wirtschaftlichen wie sozialen Mehrwert zu schaffen.


Alle Ergebnisse der Studie kannst Du im Artikel “Innovation and entrepreneurship in the context of poverty: a multilevel approach” über die EZB der Uni kostenlos* nachlesen.


*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H