• Julia Esdar

Wie beeinflussen verschiedene Stressfaktoren Dein Wohlbefinden?

Kennst Du das Gefühl, nach einem stressigen Arbeitstag nach Hause zu kommen und Dir bis zum Einschlafen den Kopf über ein Problem zu zerbrechen, das den Tag über im Büro aufgetreten ist und welches Du unbedingt so schnell wie möglich lösen möchtest? Anstatt von der Arbeit abzuschalten und Dich zu erholen, bist Du gedanklich weiterhin bei Deinem Unternehmen und fühlst Dich am nächsten Morgen nicht erholt - das Problem ist trotzdem noch nicht gelöst. Kommt Dir eine solche Situation bekannt vor?


Studien zufolge haben Gründer*innen einen besonders stressigen Arbeitsalltag. Ihnen falle es oft schwer, nach der Arbeit abzuschalten und sich vom Arbeitsstress zu erholen. Die dafür verantwortlichen Stressfaktoren und ihr Einfluss auf das Wohlbefinden der Gründer*innen sind dennoch erst kaum erforscht. Genau das haben sich daher Wach, Stephan, Weinberger und Wegge (2020) zur Aufgabe gemacht. In ihrer Studie haben die Forscher*innen untersucht, wie sich spezifische Stressoren - sie unterscheiden kognitive und emotionale Herausforderungen - auf das Wohlbefinden von Entrepreneuren auswirken. Die Auswirkungen der Stressoren messen sie an ihrem Einfluss auf die Fähigkeit der Gründer*innen, sich abends bewusst von ihrer Arbeit zu distanzieren und sich vom täglichen Arbeitsstress zu erholen.


Dabei sind die Forscher*innen davon ausgegangen, dass bestimmte Stressfaktoren einen positiven Einfluss aufs Wohlbefinden haben, während andere sich negativ auswirken. Erstere bezeichnen sie als Challenge-Stressoren, also herausfordernde Stressoren, die unter mehr Anstrengung bewältigt werden können. Das kann z.B. die Entwicklung eines neuen Programms sein. Negativen Einfluss haben hingegen eher sogenannte Hindrance-Stressoren, also hindernde Stressfaktoren, kaum zu bewältigen sind. Hier nennen die Forscher*innen auftretende Konflikte während einer Lohnverhandlung als Beispiel.


Ihr Ergebnis: insgesamt hat eine fehlende Distanzierung von der Arbeit und den dazugehörigen Stressoren in der Freizeit negativen Einfluss auf das Wohlbefinden von Gründer*innen. Ihnen fällt es oftmals schwer, ihren Job nicht “mit nach Hause” zu nehmen und daher raten ihnen die die Forscher*innen, “Erholungs-Strategien” zu entwickeln. Beim bewussten Abschalten und Erholen in der arbeitsfreien Zeit helfen Aktivitäten, die Deine volle Aufmerksamkeit verlangen - wie z.B. Meditation und Yoga, körperliche Betätigung oder auch soziale Kontakte.


Gleichzeitig haben Wach et. al aber auch festgestellt, dass eine mentale Losgelöstheit von der Arbeit außerhalb der Arbeitszeiten für Unternehmer*innen ein zweischneidiges Schwert sein kann. Zwar können die fehlende Distanzierung von der Arbeit und das Grübeln über in Deinem Unternehmen auftretende Probleme Dein Wohlbefinden kurzfristig negativ beeinflussen. Laut der Studie können sie aber auch zu mehr kreativen Ideen führen und zwischenmenschliche Beziehungen fördern. Auch die positiven Auswirkungen der sogenannten herausfordernden Stressoren sind vor allem langfristig zu beobachten; kurzfristig ist ihr Einfluss auf das Wohlbefinden eher negativ.


Insgesamt betrachtet unterstreicht die Studie von Wach et. al vor allem den Bedarf nach mehr Forschung über das emotionale Wohlbefinden von Gründer*innen sowie den Einfluss spezifischer Stressfaktoren auf ihr Befinden. Interessant ist dabei besonders, wie Gründer*innen es schaffen können, trotz ihres stressigen Arbeitslebens eine Balance aus Problemlösen und Erholung in ihrer Freizeit zu finden und sich weiterhin gut zu fühlen.


Alle Ergebnisse der Studie findest Du im Artikel “Entrepreneurs stressors and well-being: A recovery perspective and diary study” über die EZB der Uni kostenlos* zum Nachlesen.


*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H