• Merve Coskun

Was hat ethnische Diversität mit der Gründer*innen-Szene Deiner Stadt zu tun?

Die Förderung eines regionalen unternehmerischen Schaffens ist aus verschiedenen Gründen wichtig. Mehr Unternehmensgründungen und eine dynamische Wirtschaft wirken sich positiv auf das Wirtschaftswachstum aus. Einer von vielen Faktoren, die unternehmerische Aktivitäten ankurbelt, ist die ethnische Vielfalt in Deiner Region oder Stadt. Die Forscher*innen sind sich bereits über den positiven Zusammenhang von ethnischer Diversität einer Region und ihren Einfluss auf das Start-up-Klima einig. Doch wie unterscheiden sich die Auswirkungen ethnischer Diversität auf die Gründer*innenszene im Gegensatz zu mittelgroßen und großen Unternehmen? Und warum herrscht eine derart große Kluft zwischen den unterschiedlichen Größen der Unternehmen?


Der Forscher Boudreaux (2018) stellt die These auf, dass die ethnische Zusammensetzung einer regionalen Bevölkerung einen Einfluss auf die unternehmerische Aktivität einer (regionalen) Wirtschaft hat. Hierbei ist der positive Zusammenhang zwischen ethnischer Vielfalt und Unternehmensgründungen bei kleinen und kleinen bis mittleren Unternehmen (KMU) besonders stark. Denn bei der Untersuchung von US-Firmengründungen auf Kreisebene stellt Boudreaux fest, dass eine Zunahme der ethnischen Vielfalt mit einem Anstieg der Zahl kleiner Firmengründungen um 7% verbunden ist. Doch der positive Effekt nimmt mit der Unternehmensgröße ab, wobei die Zahl der Großunternehmen – mit mehr als 500 Beschäftigten – um ca. 27% zurückgegangen ist.


Kleine Unternehmen sind besser in der Lage von der ethnischen Vielfalt zu profitieren, die ein größeres Spektrum an Waren und Dienstleistungen auf dem Markt erfordert. Diese Heterogenität der Präferenzen und die Nachfrage nach kulturspezifischen Gütern und Dienstleistungen gilt es zu stillen. Gleichzeitig bedeutet das, dass Großunternehmen und Konzerne möglicherweise weniger bereit oder in der Lage sind, die unterschiedlichen Präferenzen von einer Vielzahl ethnischer Hintergründe auf dem regionalen Markt zu berücksichtigen und zu bedienen. Dies kann den Einstieg neuer Unternehmen, die darauf ausgerichtet sind, diese neuen Marktsegmente zu erobern, begünstigen.


Basierend auf einer Studie über Schwellenländer von Bhattacharya und Michael (2008) argumentiert Boudreaux, dass lokale Unternehmen im Gegensatz zu großen etablierten Unternehmen besser in der Lage sind die lokalen Märkte zu bedienen. Sie passen ihre Produkte und Dienstleistungen an die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse an. Außerdem werden lokalen Unternehmen interkulturelle Kompetenzen zugeschrieben, da sie besser mit der einheimischen Kultur und den lokalen Gewohnheiten vertraut sind.


Den Forschenden zufolge fördert ethnische Vielfalt einer Region durch die Schaffung zusätzlicher Marktsegmente ein Umfeld, das dem Wachstum kleiner Firmengründungen, nicht aber mittlerer oder großer Firmengründungen förderlich ist. Somit kann sich ethnische Vielfalt durch die Förderung eines besseren unternehmerischen Umfelds auf die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere von kleinen Unternehmen auswirken. Das wiederum bietet einen fruchtbaren Boden für angehende Gründer*innen, in denen Start-ups entstehen und florieren können.


Auch NRW gewinnt mit seiner vielfältigen Bevölkerung als Start-up-Standort für Gründer*innen immer mehr an Bedeutung und verfügt über eine sehr lebendige Start-up-Szene. Wenn Du auch eine Idee hast oder gründungsinteressiert bist, lass’ Dich im EZW beraten und werde Teil eines unserer Förderprogramme!


Im Artikel “Ethnic diversity and small business venturing” von Boudreaux (2018) kannst Du alle Ergebnisse der Studie im Journal “Small Business Economics” über die EZB der Uni kostenlos* nachlesen.


*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H