• Julia Esdar

Warum Du als Social Entrepreneur viel Geduld und Einfühlungsvermögen brauchst

Bei Social Entrepreneurship liegt der Fokus nicht auf Gewinnmaximierung, sondern auf der Lösung eines gesellschaftlichen Problems. Sozialunternehmen setzen sich für einen positiven Wandel der Gesellschaft ein und fokussieren sich dabei auf das Gemeinwohl. Sie arbeiten darauf hin, gesellschaftliche (soziale) Probleme wie Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu lösen, engagieren sich für den Umweltschutz engagieren und/oder versuchen, Ungleichheiten bei der Bildung auszugleichen.


Aus der deutschen und europäischen Start-up Szene sind Sozialunternehmen und der Begriff Social Entrepreneurship kaum noch wegzudenken. Laut der EU-Kommission steckt aktuell hinter einer von vier Unternehmensgründungen ein Social Start-up.


Aber wie genau schaffst Du es als Gründer*in eines Social Start-ups, den von Dir gewünschten sozialen Wandel herbeizuführen und diesen vor allem nachhaltig zu gestalten? Tief verankerte gesellschaftliche Normen und Werte oder Traditionen ändern sich schließlich nicht von heute auf morgen - und sicher nicht ohne Widerstand, oder?

Welche Praktiken Dir als Sozialunternehmer*in dabei helfen können, Dein Ziel eines Wertewandels in der Gesellschaft voranzutreiben (und diesen zu etablieren), haben Chatterjee et. al in ihrer Studie (2019) über Social Entrepreneurship und Werte-Arbeit herausgestellt.


Den Schlüssel für einen erfolgreichen sozialen Wandel innerhalb einer Gesellschaft sehen die Forscher*innen in der Kooperation zwischen Sozialunternehmen und der Gesellschaft, in der sie sich bewegen.

Bevor Du daran arbeiten kannst, Wertvorstellungen zu verändern, solltest Du die aktuell gelebten Werte und Normen Deiner Zielgruppe kennen und verstehen. Das geschieht am einfachsten durch Dialog und eine enge Zusammenarbeit mit Menschen aus der Gruppe, die Du ansprechen möchtest.


Von besonderer Bedeutung sind dabei insbesondere Geduld und Empathie. Es ist wenig zielführend, einen sozialen Wandel zu erzwingen und zu versuchen, Dein Gegenüber mit allen Mitteln davon zu überzeugen, dass Du den richtigen Weg kennst - selbst wenn es so sein mag.

Eine bessere Strategie ist es, erst einmal nur zuzuhören und Dich in Dein Gegenüber hineinzuversetzen: welche Werte sind in Deiner Zielgruppe vertreten und wo haben sie möglicherweise ihren Ursprung?


Als nächsten Schritt schlagen die Forscher*innen vor, die vorhandenen gesellschaftlichen Werte nicht direkt über Bord zu werfen, sondern mit ihnen als Ausgangspunkt zu arbeiten. Es sollte dabei nicht darum gehen, diese von heute auf morgen zu ersetzen. Vielmehr stellt sich die Frage, wie sich etablierte Werte und Normen am besten aufbrechen und erweitern lassen. Wichtig ist vor allem, wie Du deine (Wert-)Vorstellungen und Ideen präsentierst: es ist hilfreich, Dich als Teil deiner Zielgruppe zu verstehen und Worte wie “wir” und “uns” zu nutzen, statt Dich selbst über Sprache auszugrenzen. Das erweckt schnell den Anschein, als würdest Du von oben herab auf die gelebten Vorstellungen deines Gegenübers blicken - damit sinkt die Wahrscheinlichkeit der Akzeptanz und Übernahme Deiner Wertvorstellungen, die zum sozialen Wandel beitragen, enorm.


Und noch einmal: der Prozess benötigt Zeit. Lass’ Dich nicht entmutigen, wenn Du nicht direkt verstanden wirst oder Menschen eine Weile brauchen, bis sie Deine Vision und Deine Wertvorstellungen mit ganzem Herzen teilen. Freu’ Dich lieber über “Baby-Steps” auf dem Weg dorthin! Schon eine bewusste Konsumentscheidung und der Griff zur nachhaltigeren Alternative macht einen Unterschied und zeigt in die richtige Richtung.


Chatterjee et. al basieren ihre Studie auf dem erfolgreichen Projekt des Barefoot College in Indien. Alle detaillierten Infos zu den Praktiken für einen nachhaltigen sozialen Wandel, die sie bei ihrer Arbeit herausgestellt haben, findest Du im Artikel zur Studie:Social entrepreneurship and values work: The role of practices in shaping values and negotiating change”.

Über die EZB der Uni kannst Du den Artikel kostenlos* abrufen.

*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H