• Merve Coskun

(Solo-)Selbstständigkeit im Homeoffice: temporäre Sache oder eine dauerhafte Lösung?



Unternehmer*innen, die von zu Hause aus tätig sind, sind keine Seltenheit. Bereits im Jahr 2019 haben 12,9 % aller Erwerbstätigen in Deutschland von zu Hause aus gearbeitet. Seit Beginn der Pandemie hat die Homeoffice-Nutzung insgesamt deutlich zugenommen. Es ist wenig bekannt darüber, warum viele (Solo-)Selbstständige und Unternehmer*innen ihre Unternehmen an ihrem Wohnort ansiedeln. Die Ergebnisse der Forscher*innen von Kim et al. (2021) decken wichtige Faktoren über die Entscheidung für eine Selbstständigkeit im Homeoffice auf und geben auch Aufschluss darüber, ob sie lediglich eine Übergangsphase für “kleine” unternehmerische Tätigkeiten darstellt.


Viele Berufstätige schätzen die Flexibilität der Selbstständigkeit und die Arbeit von zu Hause. Denn sie ist der bequemste Weg , um berufliche und private Verpflichtungen unter einen Hut zu bringen. Viele familiäre Verpflichtungen, z.B. „Care-Arbeit“ können das Arbeiten außer Haus schwierig machen. So bietet die Arbeit im häuslichen Umfeld eine Möglichkeit, Privat- und Berufsleben besser zu kombinieren. Hinzu kommt, dass nicht jede*r eine externe Betreuung für Kinder oder Eltern/Großeltern finanzieren kann. So zeigt sich beispielsweise, dass insbesondere weibliche Unternehmer*innen, die kleine Kinder oder einen Pflegefall zu Hause haben, eher selbständig im Homeoffice tätig sind.


Doch dient das Home-Office nur als Übergangsstadium bis das Unternehmen expandiert und eine Umstrukturierung und Skalierung notwendig werden? Unternehmertum ist bekanntlich mit Risiken verbunden. Um dieses zu reduzieren, ist das „hybride" Unternehmertum eine geeignete Strategie, bei der Arbeitnehmer*innen weiterhin in ihrer Haupttätigkeit in abhängiger Beschäftigung arbeiten. So können sie einen Fuß in die Selbständigkeit setzen, um Chancen und Risiken für einen Vollzeitwechsel besser abschätzen zu können. In der Anfangsphase können hohe Investitionen – wie zum Beispiel die Miete und Ausstattung für Büroräume – vermieden werden, bis gewährleistet werden kann, dass die Einnahmen der unternehmerischen Tätigkeit hoch genug ist. Denn wenn das Unternehmen nicht floriert, sind die damit verbundenen Ausgaben größtenteils versenkt und irreversibel. Im Gegensatz dazu ist sind die Kosten für die Arbeit von zu Hause überschaubar.


Im Gegensatz dazu gibt es diejenigen, die direkt als Vollzeitunternehmer*innen einsteigen. Diese Wahl könnte andere Motive haben: Sie haben z.B. ihren Arbeitsplatz aufgegeben und sind besonders risikofreudig. Möglicherweise ziehen sie es vor, Vollzeit am eigenen Unternehmen zu arbeiten oder gründen nicht-kapitalintensive Unternehmen.


Wenn das Home-Office eine vorübergehende Lösung für Unternehmer*innen in der Anfangsphase ist, dürfte sich das für einige dieser Unternehmen im Zuge der Skalierung und Professionalisierung ändern. Eine Skalierung bedeutet oft die Einstellung von Mitarbeiter*innen – und da ist der private Wohnsitz als Arbeitsplatz für neue Mitarbeiter*innen ungeeignet. Dies kann dazu führen, dass (Solo)-Unternehmer*innen, die Arbeit von zu Hause aufgeben und stattdessen ihr Unternehmen in einen konventionellen Arbeitsraum verlegen. Man kann ebenfalls erwarten, dass Unternehmer*innen, die Geschäftspartnerschaften eingehen, die Remote-Arbeit durch ein separates Büro ersetzen, um den Übergang zu erleichtern. Somit kommt es darauf ein, in welchem Stadium sich Dein Unternehmen befindet und ob sich eine Verlagerung Deines Arbeitsplatzes (finanziell) rentieren würde. Natürlich sind Deine Risikobereitschaft und familiäre Verpflichtungen weitere wichtige Determinanten, die es zu berücksichtigen gilt.


Über die EZB der Uni kannst Du alle Details und Ergebnisse der Studie von Kim et al. (2020) im Artikel “Entrepreneurial homeworkers“ im Journal of “Small Business Economics” kostenlos* nachlesen.

*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H