• Julia Esdar

So meisterst Du die Gefühlsachterbahn Deines Gründer-Daseins

Insbesondere die Anfangsphase einer Unternehmensgründung ist geprägt von Ungewissheit. Für Gründer*innen bedeutet das eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle. Der schnelle Wechsel aus Höhen und Tiefen in Form von Erfolgserlebnissen und Enttäuschungen kann emotional sehr belastend sein. Das kommt Dir bekannt vor?

Im Folgenden stellen wir die Strategien zur Emotionsregulierung vor, die Dir helfen können, das ständige emotionale Auf und Ab des Gründens zu meistern und Deine innere Ruhe zu bewahren.


Gerade in wechselhaften und ungewissen Phasen wie der Gründung eines eigenen Unternehmens ist es besonders wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und Deine Emotionen im Griff zu haben. De Cock, Denoo und Clarysse (2020) haben sich mit dem Thema Emotionsregulierung bei Entrepreneuren beschäftigt und erforscht, wie sich Strategien zur Emotionsregulierung auf die Überlebenschancen von Start-ups auswirken.

Unter Emotionsregulierung verstehen die Forscher*innen die Fähigkeit, Emotionen, die wir erleben, selbst beeinflussen zu können sowie zu bestimmen, wann und wie wir Emotionen erleben und ausdrücken.


In der Studie von De Cock et. al werden insbesondere zwei Strategien zur Emotionsregulierung aufgegriffen und hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Erfolgsaussichten von neu gegründeten Unternehmen untersucht: die Neubewertung von aufkommenden Emotionen und die Unterdrückung des emotionalen Ausdrucks.

Bei der Neubewertung von Emotionen ist das Ziel, extremen Emotionen, z.B. in Stresssituationen, zuvorzukommen und die Situation dadurch selbst in die Hand zu nehmen. Im Kern geht es hierbei darum, die Sichtweise zu verändern und optimistisch an Situationen heranzutreten. Beispielsweise siehst Du bei einer wichtige Präsentation vor möglichen Investor*innen für Dein Start-up statt der möglichen Absage vordergründig die Chance auf positives Feedback durch Experten und die Möglichkeit, Dich weiterzuentwickeln.

Bei dieser Emotionsregulierungsstrategie konnten die Forscher*innen zwar einen positiven Effekt auf den Erfolg von Start-ups feststellen, dieser ist statistisch jedoch nicht signifikant.


Die Unterdrückung des emotionalen Ausdrucks meint im Grunde ein Pokerface zu bewahren, z.B. in Verhandlungsgesprächen mit Kunden. Diese Strategie verbinden die Forscher*innen im Gegensatz zur Neubewertung von Emotionen eher mit einem negativen Einfluss auf die Überlebenschancen von Start-ups.

Zwar lässt Dich diese Strategie nach außen hin gelassener erscheinen und kann als Puffer für extreme Emotionen dienen, das ändert aber nichts an Deinem inneren Empfinden und kann zu emotionaler Erschöpfung und sinkender Zufriedenheit im Arbeitsleben führen. Diese Strategie scheint also nur auf den ersten Blick dabei zu helfen, Deine Emotionen selbst in der Hand zu haben.


Unser Tipp für ein ausgeglichenes Gefühlsleben: Lerne, Deine eigenen Emotionen zu erkennen und anzuerkennen. Vielleicht entdeckst Du auch Muster, in die Du in bestimmten Situationen zurückfällst. Wichtig ist, Deine Emotionen und Gefühle auszuleben, ohne sie jedoch Überhand nehmen zu lassen oder zu bewerten - der Balanceakt zwischen Gefühle zulassen und sich nicht darin zu verlieren, braucht Übung. Dabei können z.B. Meditationsübungen helfen sowie die ständige Erinnerung daran, dass Deine Emotionen nur ein Teil von Dir sind - und nicht Du selbst.


Diese Strategie lässt sich unter dem Begriff Emotionale Intelligenz zusammenfassen. Sie beschreibt die Fähigkeit, die eigenen Gefühle (und die anderer Personen) zu erkennen, zu verstehen und damit umzugehen. Emotionale Intelligenz hilft, Gefühlen nicht hilflos ausgeliefert zu sein und in unpassenden Situationen nicht impulsiv zu reagieren, was einen gewissen Grad an Selbstdisziplin erfordert.


Alle detaillierten Ergebnisse der Studie findest Du im Artikel “Surviving the emotional rollercoaster called entrepreneurship: The role of emotion-regulation” nochmal zum Nachlesen. Über die EZB der Uni kannst Du den Artikel kostenlos* abrufen.


*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H.