• Sabrina Basner

Sind achtsame Menschen die besseren Gründer*innen?

Achtsamkeit wird definiert als auf den gegenwärtigen Moment fokussierte Aufmerksamkeit und eine bewusste Wahrnehmung der direkten Umgebung. Achtsame Menschen befinden sich mit ihrer vollen Aufmerksamkeit bewusst im Hier und Jetzt, ohne von Gedanken oder Emotionen abgelenkt zu sein oder die Situation zu bewerten. Oft wird für ‘Achtsamkeit’ im Deutschen auch der englische Begriff ‘Mindfulness’ verwendet.


In verschiedenen Studien über mehrere wissenschaftliche Bereiche hinweg sind Forscher*innen zu dem Schluss gekommen, dass Achtsamkeit die Aufmerksamkeit fördert. Achtsames Verhalten wird mit einer Reihe von positiven Effekten im privaten wie im Arbeitsumfeld in Verbindung gebracht. Bewusst im Hier und Jetzt zu sein, verbessert die physische und mentale Gesundheit, fördert eine bewusste Selbstreflexion und die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen. Auch positive Auswirkungen auf Stressreduzierung, Durchhaltevermögen und Leistungsfähigkeit bei der Arbeit werden mit Achtsamkeit assoziiert.


Sind achtsame Personen also leistungsfähiger und robuster - und damit besser im Unternehmertum aufgehoben als weniger achtsame Menschen? Macht Achtsamkeit Dich zu einem/r besseren/r Gründer*in?


Mit dieser Frage haben sich van Gelderen, Kibler, Kautonen, Munoz und Wincent (2018) beschäftigt und erforscht, inwiefern Achtsamkeit unternehmerisches Handeln beeinflusst. Dabei sind sie zu folgendem Ergebnis gekommen: allgemein betrachtet nimmt Achtsamkeit eine vielschichtige Rolle ein, wenn es um den Einfluss auf unternehmerische Tätigkeiten geht. Trotz der positiven Auswirkungen, die Achtsamkeit auch im Arbeitsumfeld haben kann, sind achtsame Personen seltener unternehmerisch tätig als weniger achtsame Personen. Wenn sie sich jedoch im Unternehmertum versuchen, dann in dem gleichen Ausmaß an Anstrengungen wie weniger achtsame Personen - und sogar mehr, wenn sie unternehmerische Erfahrungen mitbringen.


Welche Vor- und Nachteile birgt Achtsamkeit für Dein Gründer*innen-Dasein?


Studien haben gezeigt, dass die oben erwähnten positiven Effekte von Achtsamkeit in dynamischen Arbeitsumgebungen oder bei komplexen Aufgaben verstärkt werden - und ein Unternehmen zu gründen trifft auf diese Bedingungen zu. Ein höheres Maß an Achtsamkeit verbessert nachweislich die kognitive Flexibilität und Wachsamkeit, d.h. Achtsamkeit fördert die Fähigkeit, eine Vielzahl von Reizen aus der Umgebung bewusst wahrzunehmen, ohne unaufmerksam zu werden. Insbesondere Gründer*innen und Unternehmer*innen sollten außerdem in der Lage sein, auch unter Ungewissheit und schnellen Veränderungen rasch zu handeln. Anpassungsfähigkeit und Improvisationstalent sind hier von Bedeutung. Dabei hilft es, für das, was im Hier und Jetzt passiert, aufmerksam zu sein. In früheren Studien haben Wissenschaftler*innen beobachten können, dass wenig Achtsamkeit zu schnellerer Ablenkung führen kann.

Andererseits stellt sich die Frage, inwiefern Achtsamkeit die Leistungsfähigkeit erhöht, wenn die Definition des Begriffs eine Art Nicht-Strebsamkeit impliziert und die Aufmerksamkeit bei achtsamen Personen (fast) ausschließlich im gegenwärtigen Moment liegt. Als Unternehmer*in ist es essentiell, zukunftsorientiert zu handeln und seine Ziele vor Augen zu behalten. Auch erfordert nicht jede Aufgabe eine gegenwartszentrierte Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. Wir erledigen einen wesentlichen Teil unserer alltäglichen Aufgaben automatisch - das spart Zeit und macht den Kopf frei und wichtigere Aufgaben. Auch neigen achtsame Menschen eher dazu, auf Anforderungen zu reagieren, die in der Gegenwart an sie gestellt werden, statt einem zukünftigen Ziel Priorität einzuräumen. Dies kann besonders als Unternehmer*in zu Konflikten führen.


Wie das Ergebnis der Studie von van Gelderen et. al ebenfalls zeigt, ist das Thema Achtsamkeit wirklich ein sehr vielschichtiges. In gewissen Situationen kann sie uns sehr helfen, besonders bei der Konzentration auf gegenwärtige Projekte oder während der Bearbeitung von Aufgaben. Sich aber zu sehr im Jetzt zu verlieren, kann besonders bei der Zukunftsplanung - z.B. Deines Unternehmens - zu einem Hindernis werden.


Alle Ergebnisse der Studie findest Du im Artikel “Mindfulness and Taking Action to Start a New Business” über die EZB der Uni kostenlos* zum Nachlesen.


*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H