• Merve Coskun

Gründerinterview mit Felix von sinnbar


Hallo Felix! Nochmal herzlichen Glückwunsch zur Aufnahme ins Gründerstipendium. Erzähl mal, was ist sinnbar und was genau macht ihr?

Wir schaffen mit sinnbar eine Plattform, auf welcher Erlebnisse im Bereich Umweltbildung mit Bezug zu Lebensmitteln angeboten und gebucht werden können. Dabei dienen wir als Intermediär, das heißt es gibt auf der einen Seite Expert*innen wie beispielsweise, Landwirt*innen, Imker*innen oder Kräuterpadägog*innen – alle, die in irgendeiner Form mit Lebensmitteln arbeiten oder diese verarbeiten. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sich einen analogen Zugang zu ihrer regionalen Kulturlandschaft wünschen und mehr über Entstehungsprozesse wissen möchten. Und da wollen wir ansetzen, indem wir beide vernetzen. Dabei liegt unser Fokus auf Ernährung und Natur.


Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen?

Die Idee kam uns vor zwei Jahren beim Spaziergang im Wald in den Sinn, als uns ein Mann mit einem Korb voller Pilzen entgegenkam. Dabei haben wir selber die Erfahrung gemacht, wie schwierig es war einen Pilzkurs zu finden. Für uns persönlich würde es einen großen Mehrwert schaffen, wenn es eine Plattform geben würde, auf der die verschiedenen Angebote, die meine Region zu bieten hat, gebündelt dargestellt werden. Mittlerweile vernetzen wir uns mit Anbauverbänden und merken, dass es sehr viele Kurse und Expert*innen gibt.


Das Erleben der regionalen Umwelt und Kulturlandschaft sensibilisiert sicherlich Menschen auf ein nachhaltiges Handeln. Kannst Du erklären inwieweit der Social Impact eurer Idee wirkt?

Wenn Du weißt, wie der Honig hergestellt wird und was alles zu diesem Prozess dazu gehört und Du informiert darüber bist, wie die Biene überhaupt lebt und kommuniziert – dann hast Du ein ganz anderes Bewusstsein für das konsumierte Endprodukt. Daraus entsteht ein nachhaltiges Handeln. Generell ist es wichtig sich zu informieren: „Was steckt eigentlich für eine Arbeit dahinter und warum ist die Arbeit so wichtig?” Das kann sich wiederum auf andere Lebensbereiche übertragen. Die Vielfalt unserer Region muss auch sichtbarer werden - es gibt so viele Menschen, die eine Passion haben. Das hat auch im kleinen Rahmen einen nachhaltigen Impact. Die Expert*innen - vor allem Landwirt*innen - fühlen sich auch oft nicht wertgeschätzt.

Also kurz gesagt: Durch das Erleben, anderes Handeln - das ist, was wir uns wünschen.


Hat die Pandemie den Wunsch die unmittelbare Umgebung (insbesondere in den Städten) zu erkunden, verstärkt?

Ich glaube schon, dass der Wunsch und das Verständnis für die Vielfalt der Region gestiegen ist. Viele Menschen haben erkannt, wie schön ihre Region ist und was sie alles zu bieten hat. Dabei muss Erholung nicht unbedingt weit weg sein. Deshalb glaube ich auch, dass wir mit sinnbar einen ganz guten Zeitpunkt erwischt haben. Aber wir müssen auch pandemiebedingt abwarten, wie die Kurse stattfinden, weil wir keine digitalen Formate anbieten, sondern das analoge Erlebnis fördern möchten. Da gehört das Anfassen, Riechen, Hören und somit das mit allen Sinnen Erfahrbare einfach dazu.

Woher habt ihr den Mut genommen Euch in die Selbstständigkeit zu wagen?

Meine Eltern und Paulas Vater sind auch selbstständig. So ganz fremd ist uns das nicht. Man kennt bestimmte Ängste und Zweifel innerhalb der Selbstständigkeit, aber auch auf der anderen Seite die komplette Freiheit zu haben und selber gestalten zu können.

Auch wenn ich meinen damaligen Job gerne gemacht habe, habe ich letztes Jahr gemerkt, dass es mehr geben muss. Denn Sicherheit ist nur ein Trugschluss. Warum nicht einfach ausprobieren? Wir hatten Lust, etwas aufzubauen und auszuprobieren und aus diesem Mindset heraus Fehler machen dürfen. Bisschen Mut gehört dazu, aber aktuell gibt es mir mehr und ich genieße das, meine Zeit frei einteilen zu können und mich mit Menschen zu vernetzen. Deshalb war das im Zusammenspiel mit Corona ein guter Zeitpunkt.


Wie seid ihr auf das EZW gestoßen?

Wir sind über das Social Entrepreneurship Netzwerk auf das EZW aufmerksam geworden. Wir haben nämlich nach einem Netzwerk gesucht, dass uns bei Fragen unterstützt, die am Anfang aufkommen. Durch jahrelange Erfahrung kann das EZW ganz gut abschätzen was die nächsten Schritte sind. Das hilft uns dabei, wichtige Schritte zu priorisieren.


Inwieweit helfen euch die Mittel vom Gründerstipendium in Eurem Vorhaben?

Wir haben vor zwei Wochen die positive Rückmeldung vom Gründerstipendium NRW bekommen - worüber wir uns sehr freuen. Das verschafft uns in erster Linie viel Zeit, um sinnbar nach vorne zu bringen. Es hält uns ein wenig den Rücken frei, sodass wir die Energie und Zeit, die wir sonst für unser Unterhalt aufbringen müssen, unserer Idee widmen können.


Was ist eure größte Hürde, die in nächster Zeit überwinden werden muss?

Wir möchten im März 2022 im Raum Köln/Bonn mit etwa 15 Anbieter*innen online gehen - das ist jetzt der nächste wichtige Schritt für uns. Bis dahin wollen wir die Beta-Version der Plattform fertigstellen. Eine große Herausforderung wird wahrscheinlich sein, die passenden Anbieter*innen zu finden, damit es attraktiv wird und auf der anderen Seite die Zielgruppe zu erreichen, damit die Kurse ausgebucht sind. Außerdem bekommen wir vermehrt Anfragen von Unternehmen, die ihren Mitarbeiter*innen Nachhaltigkeits-Workshops anbieten möchten. Das ist eine sehr wichtige Zielgruppe.


Und worauf freut Ihr Euch am meisten über das was bald auf Euch zukommt?

Wir freuen uns am meisten darauf, wenn wir online gehen können, um zu gucken ob das überhaupt anläuft. Außerdem komme ich mit sinnbar mit verschiedenen Menschen in Kontakt, die eine ähnliche Vision haben wie wir. Das fühlt sich alles sehr lebendig an.

Danke für Deine Zeit und viel Erfolg auf Eurem Weg!