• Julia Esdar

Female Entrepreneurship: Warum wir insbesondere Gründerinnen mehr Aufmerksamkeit schenken sollten

Anlässlich des Weltfrauentags - bzw. des feministischen Kampftages - am 8. März möchten wir unsere Aufmerksamkeit besonders einer Hälfte der Weltbevölkerung widmen: den Frauen*. Trotz positiver Entwicklungen in den letzten Jahren, die auch in der Arbeitswelt große Schritte in Richtung Gleichberechtigung der Geschlechter sich gebracht haben haben, sind Frauen in Führungspositionen wie in der Start-up-Welt weiterhin unterrepräsentiert. Laut Female Founders Monitor 2020 stecken weibliche Entrepreneure gerade einmal hinter 15 % der Neugründungen von Unternehmen.


Gleichzeitig wurde in der Entrepreneurship-Forschung ein erheblicher Einfluss von frauengeführten Unternehmen in Bezug auf ein innovativeres Umfeld und höhere Überlebenschancen von Unternehmen festgestellt. Eine Studie der Boston Consulting Group und MassChallenge hat gezeigt, dass von Frauen gegründete oder mitbegründete Start-ups zwar weniger Investitionen erhalten, trotzdem sind sie tendenziell erfolgreicher und generieren mehr Umsatz als rein männlich geführte Start-ups.

Wenn Gründerinnen augenscheinlich erfolgreicher gründen als ihre männlichen Pendants, warum ist die Kluft zwischen ihnen immer noch so groß?

Mit dieser Frage und damit, ob sich weibliches Unternehmertum mit dem digitalen Zeitalter verändert, haben sich Ughetto, Rossi, Audretsch und Lehmann (2020) beschäftigt. In ihrer Studie haben sie festgestellt, dass insbesondere gemeinsame kulturelle Überzeugungen oft dazu beitragen, Frauen vom Gründen abzuhalten.

Laut diesen Überzeugungen wird Unternehmertum vor allem mit männlichen Eigenschaften assoziiert; gleichzeitig seien geschlechtsspezifische Vorurteile und Stereotypen in männerdominierten Kontexten wie dem Unternehmertum noch ausgeprägter als in anderen Bereichen und in der allgemeinen Überzeugung verankert.


Eine der größten Herausforderungen, die Gründerinnen überwinden müssen, stellt die fehlende institutionelle Unterstützung dar. Der Finanzsektor ist noch immer männerdominiert, was es für Frauen schwieriger macht, an Kapital zu gelangen. Insbesondere bei FemTech gestaltet sich die Suche nach - oft männlichen - Investoren daher hindernisreich.

Gleichzeitig stehen Frauen sich auch selbst im Weg: Studien belegen, dass es ihnen oft an Risikobereitschaft und genügend Selbstbewusstsein mangelt. Das hat, allgemein betrachtet, wenig mit dem eigenen Charakter zu tun, sondern ist vielmehr in der Sozialisierung von Frauen begründet. Auch unbewusst verankerte Vorurteile Gründerinnen gegenüber beeinflussen die Fremd- und Selbstwahrnehmung von Frauen - und das bei Männern und Frauen gleichermaßen.


Digitale Technologien können dabei helfen, den Weg hin zur Gleichberechtigung zu bereiten: im heutigen digitalen Zeitalter ist es so leicht wie nie, sich über Unternehmertum zu informieren, Finanzierungsmöglichkeiten ausfindig zu machen und selbst zur Unternehmerin zu werden. Gerade Frauen profitieren von der erhöhten Arbeitsflexibilität und den reduzierten Eintrittsbarrieren im Entrepreneurship. Dennoch besteht die Gefahr, dass sich Offline-Geschlechterungleichheiten in der Online-Umgebung widerspiegeln.



Wie können wir das ändern? Sichtbarkeit schaffen! Am meisten helfen wir Gründerinnen, indem wir ihnen die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdient haben und ihnen eine Bühne geben. Das hilft nicht nur den Unternehmerinnen selbst, sondern ermutigt zusätzlich Frauen, die gerne gründen würden, sich bisher aber möglicherweise noch nicht getraut haben, den letzten Schritt zu wagen.


Wenn Du auch eine Idee hast und mit Deinem eigenen Unternehmen an den Start gehen möchtest, kannst Du Dich bei uns im EZW beraten lassen oder Dich für eines unserer Förderprogramme bewerben.


Alle Ergebnisse der erwähnten Studie von Ughetto et. al findest Du im Artikel “Female Entrepreneurship in the digital era”. Über die EZB der Uni kannst Du den Artikel kostenlos** abrufen.


*Mit “Frauen” sind bei uns alle weiblich gelesenen Personen gemeint.

**für Studierende und Mitarbeitende der UW/H.