• Merve Coskun

Fördern weibliche Führungskräfte den weiblichen Nachwuchs?

Das traditionelle Bild des Unternehmers als Mann in den oberen Chefetagen gibt es nicht mehr. Immer mehr Frauen streben nach ambitionierten Zielen und fordern ihren Platz in Führungspositionen. Dennoch werden Führungsrollen und Neugründungen von Unternehmen auch heute noch als männlich konnotiertes Tätigkeitsfeld gesehen. Denn durch die traditionell und historisch gewachsene Rollen- und Arbeitsverteilung innerhalb der Gesellschaft, kämpfen Frauen immer noch um gesellschaftliche Anerkennung, gleichberechtigte Vergütung sowie faire Aufstiegschancen.


Obwohl wir schon viel über den sogenannten „gender gap“ wissen, ist über den Zusammenhang von Geschlechterdynamiken und der Performance von Unternehmen wenig bekannt. Deshalb widmen sich Bednar et al. (2019) in einem Forschungsprojekt den Überlebenschancen von Unternehmen unter Berücksichtigung von weiblichen Führungskräften und die Bedeutung weiblicher Autoritätspersonen für angehende AkademikerInnen.


Weber und Zulehner (2010) untersuchen die geschlechtsspezifische Zusammensetzung der ersten MitarbeiterInnen von Start-ups in Österreich und zeigen auf, dass Unternehmen, die mit mehr weiblichen MitarbeiterInnen auf den Markt gehen, höhere Chancen zum „Überleben“ haben. Weiterhin gibt es in der Literatur Belege dafür, dass von Frauen geführte Unternehmen und Start-ups dazu neigen, mehr weibliche Arbeitskräfte auf niedrigeren Positionen einzustellen und diese längerfristig zu behalten. Mehrere neuere Studien belegen, dass Frauen in der obersten Führungsrolle, mit besseren Arbeitsergebnissen für Frauen auf den unteren Ebenen eines Unternehmens verbunden sind. Das Ergebnis, dass Frauen tendenziell bessere Leistungen erbringen, wenn sie unter einem weiblichen Vorgesetzten arbeiten, liegt darin begründet, dass weibliche CEO’s vielmehr Signale über die Produktivität von ihren ArbeitnehmerInnen ihres eigenes Geschlechts ableiten können (Flabbi et al. 2019). Somit sind weibliche CEO’s besser in der Lage, ArbeitnehmerInnen den für sie am besten geeigneten Arbeitsplatz zuzuweisen.


Der Einfluss von weiblichen Vorbildern findet sich neben dem Arbeitsmarkt auch im Bildungsbereich wieder. Schon in der Schulzeit wirkt es sich positiv auf SchülerInnen aus, wenn sie eine Lehrkraft desselben Geschlechts haben. Carrell et al. (2010) zeigen, dass SchülerInnen, die einen mathematischen oder naturwissenschaftlichen Einführungskurs bei einer Professorin belegen, mit größerer Wahrscheinlichkeit weitere mathematische und naturwissenschaftliche Fächer besuchen und ihren Schwerpunkt auf ein MINT-Fach setzen.


Für den weiblichen Nachwuchs ist die Sichtbarkeit von Frauen in höheren Positionen dringend notwendig. Es gilt für Unternehmen, Frauen in höhere Chefetagen zu katapultieren und in mehr Start-ups mit weiblichen Führenden zu investieren! Nur so kann der berufliche Aufstieg von Frauen in Zukunft besser gelingen.


Warum die Kluft zwischen Gründerinnen und ihren männlichen Pendants in der Start-up-Welt so groß ist und was wir dagegen machen können, kannst Du in unserem Blogartikel nachlesen: https://www.ezw.de/post/female-entrepreneurship-warum-wir-insbesondere-gründerinnen-mehr-aufmerksamkeit-schenken-sollten


Alle Details und Ergebnisse der zusammengefassten Studien von Bednar et al. (2019) kannst Du im Artikel “Innovative activity and gender dynamics ” in dem Journal “Small Business Economics” über die EZB der Uni kostenlos* nachlesen.