• Sabrina Basner

Entrepreneurship und wirtschaftliche Ungleichheit: Unternehmertum als Lösung des Problems?

Sowohl in der Wissenschaft als auch in der breiten Gesellschaft wird wirtschaftliche Ungleichheit immer mehr zu einem zentralen Thema. Unternehmertum und die Gründerszene werden oft mit einer Schlüsselrolle für wirtschaftliches Wachstum in Verbindung gebracht. Wie sie sich auf Ungleichheiten in der Gesellschaft auswirken, ist jedoch weitgehend unbekannt. Auch ist das Level an Ungleichheit, trotz eines weltweit raschen und starken Wirtschaftswachstums, in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Besonders extrem und problematisch ist die Situation in Schwellenländern. Hier wird wirtschaftliche Ungleichheit nicht nur mit Unterschieden des wirtschaftlichen Status in Verbindung gebracht, sondern trägt auch maßgeblich zu ungleichem Zugang zu grundlegender Infrastruktur und öffentlichen Gütern wie Bildung bei.


Kann Unternehmertum dabei helfen, diese Ungleichheiten zu verringern, oder trägt es stattdessen sogar zur Ungleichheit bei?


Der Beziehung zwischen Unternehmertum und wirtschaftlicher Ungleichheit, insbesondere in Schwellenländern, haben sich Gary Bruton, Christopher Sutter und Anna-Katharina Lenz (2021) gewidmet. Im Rahmen einer wissenschaftlichen Literatur-Durchsicht und -analyse haben sie festgestellt, dass Unternehmertum ökonomische Ungleichheit sowohl verstärken als auch abschwächen kann - die Auswirkungen sind abhängig vom Sektor (formell oder informell) und seinem Effekt auf die Gestaltung von Institutionen. Von Bedeutung ist dabei insbesondere die Frage, ob Institutionen durch neu gegründete Unternehmen inklusiver oder exklusiver gestaltet werden: verstärken sie institutionelle Barrieren und verwehren Benachteiligten den Zugang zu wirtschaftlicher Entwicklung oder tragen sie zu einer inklusiveren Gestaltung der Wirtschaft bei?

Die Studie der Wissenschaftler*innen soll als umfangreiche Forschungsagenda für das Thema Unternehmertum und wirtschaftliche Ungleichheit dienen.

Die Wissenschaftler*innen legen nahe, bestehende Annahmen über die Beziehung zwischen Unternehmertum und Ungleichheit nicht von der Situation in Industrienationen auf jene in Schwellenländern anzuwenden. Oftmals wird allgemein davon ausgegangen, dass sich Unternehmertum positiv auf die Gesellschaft auswirkt - hier ist jedoch notwendig, die Gestaltung von Institutionen und deren Wirken auf die Verteilung von Chancen einzubeziehen.

Da sich die Beziehung zwischen Unternehmertum und wirtschaftlicher Ungleichheit in Schwellenländern stark von der in Ländern des globalen Nordens unterscheidet, wollen die Wissenschaftler*innen mit ihrer Studie dabei helfen zu verstehen, welche Rolle Institutionen hierbei zukommt.


Allgemein betrachtet hilft Unternehmertum beim Vorantreiben des wirtschaftlichen Wachstums einer Gesellschaft und formt darüber hinaus, wie Nationen den aus dem Wachstum entstandenen Nutzen verteilen. Dabei hat das Unternehmertum das Potenzial, die wirtschaftliche Ungleichheit innerhalb dieser Gesellschaft zu verbessern oder zu verschärfen - je nach Rahmenbedingungen und Sektor. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler*innen raten, in Schwellenländern inklusive Institutionen sowie Unternehmertum im informellen Sektor (dazu gehören z.B. der Verkauf eigener Produkte im kleinen Rahmen oder Straßenverkäufe) zu fördern. Dieser Vorschlag steht im Gegensatz zu vielen klassischen Entwicklungsansätzen, welche darauf abzielen, Unternehmertum im formellen Sektor zu unterstützen. Besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern beschrönkt sich dieser oftmals auf den öffentlichen Dienst, eine gering ausgebaute einheimische Industrie und transnationale Großunternehmen. Zwar wird hierdurch das wirtschaftliche Wachstum vorangetrieben; gleichzeitig profitieren jedoch typischerweise nur die Eliten und die herrschende Ungleichheit wird weiter verstärkt.


Über die EZB der Uni kannst Du alle Details und Ergebnisse der Studie im Artikel “Economic Inequality - is entrepreneurship the cause or the solution? A review and research agenda for emerging economies” kostenlos* nachlesen.


*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H