• Julia Esdar

Bedeutet Selbstständigkeit weniger Schlaf?

Du kennst sicher auch den Stereotypen der dauergestressten Selbständigen, die so gut wie immer arbeiten und nie genug Schlaf bekommen. Wenn Du Dein eigener Boss bist, gibt es schließlich immer etwas zu tun. - Schlaf wird da gerne mal hinten angestellt. Doch wie viel Wahrheit steckt hinter diesem weit verbreiteten Bild, das wir von Selbstständigen haben? Bedeutet selbstständig oder Gründer*in-Sein wirklich automatisch weniger Schlaf und mehr Stress?


Wir haben bereits vor längerer Zeit darüber berichtet, dass zu wenig Schlaf negative Auswirkungen auf Deine Leistungsfähigkeit und Kreativität haben kann. Ebenfalls haben wir davon erzählt, dass es unterschiedliche Schlaftypen gibt und Du je nach Typ unterschiedlich lange schlafen solltest, um voll ausgeschlafen zu sein. Hier gelangst Du zum Artikel.


Die Annahme dass Selbstständige weniger schlafen, ist weit verbreitet, obwohl es bisher nur wenige Studien zu diesem Zusammenhang gibt. Aus diesem Grund haben sich Wolfe und Patel (2020) mit dem Thema auseinandergesetzt und die Dauer und Qualität von Schlaf bei Selbstständigen untersucht.


In ihrer Studie sind die Wissenschaftler*innen zu einem interessanten Ergebnis gekommen: entgegen des weit verbreiteten Bildes des schlaflosen Entrepreneurs, bekommen Selbstständige sogar mehr Schlaf und geben außerdem eine höhere Schlafqualität an als Angestellte.


Eine mögliche Erklärung für diese Ergebnisse sehen die Forscher*innen im Mehr an Autonomie und Kontrolle über das eigene Leben bei Selbstständigen. Das Gefühl von Selbstbestimmung und Kontrolle resultiert in einem niedrigeren Stressniveau und hat dementsprechend positive Auswirkungen auf die Schlafdauer und -qualität.

Ebenfalls möglich ist, dass Personen, die sich für die Selbstständigkeit entscheiden, besser mit den Faktoren umgehen können, die mit der Selbstständigkeit einhergehen - wodurch sie weniger Stress erfahren und besser schlafen.


Zwar wirkt sich zu wenig Schlaf auf die Leistungsfähigkeit aus, interessanterweise kann Schlafmangel jedoch auch den Wunsch nach Selbstständigkeit und einer unternehmerischen Laufbahn fördern. Studien zufolge kann Schlafmangel erhöhte Aufmerksamkeitsvariationen, Impulsivität und risikofreudiges Verhalten hervorrufen, welche nachweislich positiv mit der Wahrscheinlichkeit der Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit verbunden sind. Es kann also gut möglich sein, dass Selbstständige Im Vergleich zu Angestellten im Schnitt weniger schlafen, insgesamt aber mehr, als bisher angenommen.


Alle Ergebnisse und Details der Studie kannst Du im Artikel “I will sleep when I am dead? Sleep and self-employment” über die EZB der Uni kostenlos* nachlesen.


*für Studierende und Mitarbeitende der UW/H